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Do you have a Klobörscht? Oder: Katastrophentrip nach London…

london

Eigentlich sind wir selber schuld, ja genau so kann man es sagen. Warum bewegen wir uns denn auch aus unserem Haus und dem schönen Büttelborn weg und schweifen in die Ferne, wenn das Gute doch so nah liegt? Und dann auch noch auf die Insel und in die Weltstadt London… Das konnte ja von Anfang an nicht gut gehen. Aber der Reihe nach und ja, wir wissen, dass so einiges auf unserem Trip für England sicher normal ist. Dennoch die Verkettung aller Umstände hat uns frei nach Janosch zu nur einem Schluss kommen lassen: Oh wie schön ist Büttelborn!!!
Eine Idee reifte in unseren Köpfen und diese ließ sich nicht mehr vertreiben: wir wollen das Football-Spiel im Londoner Wembley Stadion besuchen und uns die Partie New England Patriots gegen St. Louis Rams ansehen. Ein recht günstiger Flug mit Lufthansa, ein ordentliches Hotel und Karten für das Spiel. Soweit die Theorie zumindest.
Schon am Freitagnachmittag fing unsere „Glückssträhne“ am Frankfurter Flughafen an. Zusammen hatte ich die Flüge mit Lufthansa nach Heathrow für meinen Schwager, meine Frau und mich gebucht, was uns der Check-In-Automat ausspuckte waren jedoch drei Mittelsitze: 21B, 22B und 22E.  Mit Verspätung erklärte uns eine Dame, dass London im Nebel liege und man anstatt für 16.15 Uhr erst für 17.20 Uhr eine Startfreigabe habe. „Das Wetter kann sich aber noch ganz schnell ändern, darauf hoffen wir!“


Ein ungutes Gefühl beschlich mich schon als ich in den Flieger stieg. „Fliegt ihr, ich habe ein ungutes Gefühl und bleibe lieber hier“, verkündete ich in Anspielung auf den bekannten Film „Final Destination“ – mehr scherzhaft als ernst. „Du willst wohl, dass wir abstürzen und Du alleine hier bleibst?“, so die rhetorische Frage meiner Frau als Antwort. Im Nachhinein muss ich eigentlich sogar froh sein, dass ich mitgeflogen bin, denn wenn im Film schon alles schlimmer wird für die „Aussteiger“, wie wäre es dann erst für mich hier gewesen???
In London angekommen geht es zum „Hoppa-Bus“, der zu den Hotels fährt. Ein Blick auf den Fahrplan verriet es schon: es ist 18.21 Uhr, der Bus fuhr um 18.17 Uhr, der nächste kommt in einer Stunde. Also haben wir ein Taxi bemüht und kamen schnell im Hotel Jury’s Inn Heathrow an.  Für das Abendessen anschließend einen Lieferservice bemüht.
Nach einer Nacht in der von der Akustik her wilde Rodungsmaßnahmen im Sherwood Forest stattgefunden haben müssten, die den armen Robin Hood vom Gesetz- zum Heimatlosen machten, begaben wir uns am anderen Morgen auf den Weg in die Stadt. Zur U-Bahn der Piccadilly-Line gelaufen und los ging es in die Innenstadt. „Piccadilly-Line to Cockfosters – Please mind the Gap between the train and the platform“, so die Durchsage am Bahnsteig, die uns in und um die Stationen noch ein paar gefühlte Millionen Mal begegnen sollte. Dennoch: wir freuten uns auf die ersten Touristeneindrücke von London. Piccadilly Circus hieß die erste Station, wo wir etwas frühstücken wollten, dann weiter zum Tower – so zumindest der Plan.

Am Tower angekommen erlebten wir zwei Dinge, die für London symptomatisch sind: Menschenmassen und Regen. Spontan entschlossen wir uns, dass die Tower Bridge auch in einigen Jahren noch dort stehen wird und fuhren mit dem Thames Clipper in Richtung des Riesenrads London Eye. Dort waren die Menschenmassen noch ausgeprägter und so ging es über die Brücke an den zahlreichen Hütchenspielern und Blumen-, Kinder- und Musikantenbettlern vorbei zu Big Ben und von dort weiter zur NFL Fan Rally am Trafalgar Square. Soweit, so gut. Nach der Fan Rally entschlossen wir uns einer Tradition zu folgen und zum Abendessen das Hard Rock Cafe zu besuchen. Dies sollte sich jedoch als folgenschwerer Fehler entpuppen. Wir nahmen die Underground zum Hyde Park Corner und liefen einige Schritte zum HRC. Dort angekommen ahnten wir es schon: es wird voll. Eine Schlange stand bereits vor dem Eingang, ein Mitarbeiter klärte die Wartenden auf, dass es ab der Tür  noch rund anderthalb Stunden dauern würde, bis man einen Tisch bekäme. In der Nebenstraße hatten wir einen Pub gesichtet, also warum nicht Fish&Chips im Horse&Hound? War der erste Eindruck noch in Ordnung, wurde dieser beim Betreten der oberen Etage und dem Dining Room schnell widerlegt. Alte Tische, noch ältere Stühle und abgewischt hatte man diese bestimmt mehrere Monate nicht mehr. Nachdem wir befürchteten den Tischen und Stühlen durch die pure Nutzung den endgültigen Rest zu geben, beschlossen wir den Rückweg zum Piccadilly Circus anzutreten, um dort etwas zu Abend zu essen.
So begaben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, das diese Bezeichnung verdient hatte, denn wir hatten ja schon viel über die Vorzüge der englischen Küche und deren besondere Art der Zubereitung gehört. Doch lediglich zwei Pubs begegneten wir (oder exklusiven Restaurants), bei denen erneut fluchtartig das Grundstück wieder verließen (unter anderem nach Sichtung der Toilette, die uns vollgepinkelte Stadiontoiletten oder Bahnhofsklos als Luxusdomizile erscheinen ließ).
„Hey, ich kann nicht mehr laufen, lasst uns doch einfach im Hotel essen“ war schließlich der Vorschlag, der sich als mehrheitsfähig herausstellen sollte. Also zurück zur U-Bahn, doch diese war mittlerweile wegen Überfüllung der Station geschlossen, sprich: man kam nur noch hinaus, nicht mehr hinein. Nach zahlreichen neuen Nahkampferfahrungen mit den britischen Passanten und weiteren Touristen, stiegen wir in den nächstbesten Bus. Aber wo aussteigen, wenn man im Bus keinen Fahr- oder Stationsplan sieht? „Lasst uns die Augen nach der U-Bahn offen halten und dann aussteigen, wenn wir eine Station sehen“ kam der Vorschlag, der so angenommen wurde.

Oxford Circus… „hmm… war da nicht eben ne U-Bahn… Mist zu spät“. Nach rund 15 Minuten Fahrt erreichten wir eine Haltestelle, der bei der Durchsage das Wort „Station“ folgte und wir stiegen aus. Doch weit und breit war kein Eingang zur U-Bahn zu finden, weshalb ich vorschlug zum benachbarten „Regents Park“ zu laufen. „Ich seh das Underground-Schild, ich seh Schild… nur noch wenige Meter“, kam Begeisterung in uns auf, die sich noch schneller wieder legte, denn die dort verkehrende Bakerloo-Line war wegen Konstruktionsarbeiten geschlossen. Also ab in den Bus, der nach Paddington und Hammersmith fuhr.
Doch kurz nach Paddington Station kam die Durchsage, dass sich das Ziel des Busses geändert habe und man doch bitte zwei Stationen später aussteigen möchte. Dieser „Bitte“ kamen wir nach und standen in einem Londoner Außenbezirk vor dem erneuten Problem zur U-Bahn kommen zu müssen. Auf den nächsten Bus warten, das war für uns eine Option. Die Fahrpläne kontrollieren und sehen was noch wohin fährt, eine weitere. Nach Earls Court fuhr der nächste Bus und mutig stiegen wir ein. Diese Mal war das Glück uns hold und wir erreichten bald die U-Bahn. Nur dreieinhalb Stunden (normal: 45 Minuten) nachdem wir das Hard Rock Cafe verlassen hatten, kamen wir erschöpft, aber auch erleichtert im Hotel an.
Mittlerweile ein wenig ausgehungert setzten wir uns gegen 20.30 Uhr im Jury’s Inn in das dortige Pub, dessen Tische und Stühle stabil wirkten und vom Alter her noch im einstelligen Bereich sein mussten. Sogar die Tische waren gewischt und das Essen sah an den Nebentischen recht lecker aus. Also studierten wir die Karte, erschraken über die Preise, beschlossen aber dort zu essen, denn schlimmer als der Rückweg und der Anblick der bislang betretenen Pubs konnte es ja nicht mehr werden. Aber auch hier wurden wir von den Engländern überrascht. Mein Schwager wählte ein Rumpsteak „Medium“ für 15 Pfund, meine Frau ein Jury’s Inn Sandwich für 10 und ich eine Portion Ravioli (9 + 2 Pfund extra für Hähnchenfilet-Streifen). Davor einen Teller Nachos mit Chili-Hackfleisch zum Teilen (12 Pfund). Zum Trinken eine Cola, eine Flasche Wasser und ich ging zum Bestellen an die Bar. Ein Bier wollte ich, doch welches von den angebotenen kann man als Deutscher trinken? Nett war der Barkeeper, der mir ein Glas gab und mich die verschiedenen Sorten probieren ließ. Dabei stellte ich fest, dass in England das Kunststück fertiggebracht wird dem Fassbier den Geschmack zu entziehen.

Eigentlich wollte ich ja im Fall der Fälle auf Guiness zurückfallen. Das Guiness probierte ich zum Glück vorher auch und musste mich sofort fragen, wie man selbst Guiness versauen kann.  Ich entschied mich für das geringste Übel: ein Stella, aber auch nur weil ich mir nicht die Blöße geben wollte nach dem Biertest dann doch Wasser oder Cola zu trinken. Derweil kam von unserem Tisch die Nachricht, dass das Wasserglas meiner Frau nach Bier stinken würde. Also bat ich an der Bar um ein neues Glas, an dem wir feststellten, dass noch Schaumreste am Glas klebten. Als das Essen kam, baten wir wieder um ein neues Glas, was auch gebracht wurde. Natürlich stank dieses wieder nach Bier, scheinbar war der Fünf-Jahreszyklus zum Wechseln des Spülwassers noch nicht abgelaufen.

Essen in England – ein Kapitel für sich
Das Essen kam natürlich komplett zusammen, was bedeutete, dass wir die geplante Nacho-Vorspeise nicht unbedingt als Vorspeise genießen konnten. Letztendlich sollte sich dies als Vorteil herausstellen. Das „Medium Rumpsteak“ meines Schwagers war vermutlich einer kugelsicheren Weste entsprungen, jedenfalls ließ es sich mit dem Messer kaum penetrieren. Medium war es aber an den Stellen, die dem zunehmenden Druck und der Verärgerung des Bestellers letztlich doch nachgaben, jedoch hätte man mit diesem Material unter den Schuhen problemlos mehrere Tausend Kilometer über scharfkantiges Berggelände zurücklegen können. Zudem war es lediglich gemessen am Temperaturgefühl von Eskimos als lauwarm zu bezeichnen. Nicht anders das Jury’s Inn Club Sandwich meiner Frau. Als Letztes kamen meine Ravioli und ich fing mich an zu wundern. Liegt da etwas unter dem Teller? Kommt noch etwas? Denn dass ich mich auf „ein paar Ravioli“ gefreut hatte, war in diesem Fall so eingetreten: es waren ein (oder zwei) Paar Raviolis. Diese unter den Hähnchenfiletstücken zu suchen wäre vergebens gewesen. Für den Aufpreis gab es drei Fitzelchen Hähnchen zwischen den Raviolis und zwar in der Größe, wie man sie bei der Zubereitung eines Hühnerbrustfilets als am Messer klebende Schneidabfälle eigentlich abwäscht. Die dazu angebotene Käse-Sahne-Soße schmeckte… nach Nichts, was in Anbetracht meines Biers eine Verbesserung darstellte.
So stellten sich die überteuerten Nachos mit Käse und Chili-Hackfleisch als kulinarische Glanzleistung heraus – sie hatten zwar ebenfalls wenig Geschmack, besaßen aber den Vorteil von mitteleuropäischen Gaumen als genießbares Lebensmittel identifiziert zu werden. Nachdem wir gelernt hatten, wieso Fish&Chips auf fettigem Zeitungspapier als der Zenit der englischen Kochkunst gilt, begaben wir uns 60 Pfund leichter (nur im Geldbeutel) auf unser Zimmer, wo wir vom Vorabend noch Reste der bestellten Pizza wähnten. Doch auch hier wurden wir enttäuscht, denn das Zimmermädchen hatte die Pizzakartons trotz ihres noch genießbaren Inhalts (oder gerade deswegen???) mitgenommen. Dafür begann bei uns ein olympischer Wettstreit – um die zimmereigene Nasszelle, denn unsere mitteleuropäischen Mägen waren den kulinarischen Raffinessen der englischen Küche nicht gewachsen. Dabei stellten wir schnell fest, dass ein Klo für drei Personen in Verbindung mit englischer Küche suboptimal ist, vor allem wenn man bemerkt, dass keine Klobürste vorhanden ist. Was natürlich die Frage aufwarf, was eigentlich Klobürste auf Englisch heißt.

Endlich, das NFL-Spiel beginnt!
Aber wir wussten auch, dass der heutige Tag der Grund ist, warum wir nach London gekommen sind: das NFL Spiel zwischen den St. Louis Rams und New England Patriots. Daher Aufstehen, einen (gesalzenen) Strich unter die Erfahrungen machen und ab unter die Dusche. Komisch, wird das Wasser denn gar nicht warm? Nein, wurde es nicht und so war ich plötzlich sofort hellwach – der Nebeneffekt wenn aus einer schönen warmen Wohlfühldusche ein kurzer Tanz im Eisregen wird. Am Bahnhof nahe dem Hotel stürmten wir in den kleinen Laden, der zu unserer großen Überraschung sogar genießbare Croissants hatte.
Mit der U-Bahn fuhren wir bis zur Victoria Station, wo wir frühstücken wollten. Wir wählten zur Brunch-Zeit ein Sandwich von Subway aus. Die Bestellung desselbigen gestaltete sich allerdings wieder ein wenig schwieriger, was weniger unserem Englisch zuzuschreiben war, als dem der sehr südöstlich (und nein, nicht Süd-Ost-England) anmutenden Mitarbeiter dort. Nachdem dieses Kommunikationsproblem gelöst war und das gewünschte Sandwich sogar essen konnten, wollten wir noch etwas von London sehen. So stand ein Besuch bei Themsen-Elli und ihrem kleinen Stadthaus (dem Buckingham Palace) auf dem Programm. Dort erlebten wir die berühmte Zeremonie zur Wachablösung und spekulierten, wie man die „komischen Nussknacker-Typen“ (Originalzitat von Rob Gronkowski, Star der New England Patriots) zu einer Reaktion bewegen könne.
Über den St. James Park ging es zur Westminster Abbey, bei der wir uns auf eine Besichtigung gefreut hatten. Nach einem längeren Fußmarsch, kamen wir an der Krönungskirche an. Natürlich wollten wir gerne hineingehen und diese berühmte Kathedrale besichtigen, doch erneut sollte unsere Glückssträhne halten: sie war geschlossen. Also machten wir uns auf den Weg zum Wembley Stadion. Da die Jubilee Line von Westminster bis Wembley Park fuhr, wähnten wir uns schon in der Hoffnung, dass nun alles ein wenig besser werden würde. Und das war in gewisser Weise auch so. Am Bahnhof Wembley Park verspürte meine Frau ein menschliches Bedürfnis und auf die dritte Kabine der Damentoilette konnte sie sogar gehen. Auf dem Weg zum Stadion hätten mein Schwager und meine Frau sogar einen Houston Texans-Minihelm kaufen können (25 Pfund), während mein gewünschter Dolphins-Helm fürs Büro natürlich ausverkauft war.
Die Plätze im Stadion waren gut, auch wenn wir als Patriots-Sympathisanten bei den St. Louis Rams Fans platziert worden waren. Zahlreiche Fans hatten sich Kartoffelchips besorgt und so kamen meine Frau und mein Schwager auf die gleiche Idee. Also marschierten sie an den Stand und bestellten „Potato Chips“. Wie ein Auto glotzte sie ebenselbiger Verkäufertypus an, wie wir ihn schon am Morgen bei Subway erlebt hatten. „Can I get some Potato Chips please?“ fragte sie erneut und erntete nur Unverständnis. Pantomimisch versuchte sie dies dem Mann hinter dem Verkaufsstand noch zu vermitteln, bevor sie mit leeren Händen zum Sitzplatz zurückkehrte. Erst später fanden wir heraus, dass man in England „Crisp“ sagt.
Sehr froh waren wir wieder zu Hause zu sein und so schnell sieht uns London nicht wieder – naja, vielleicht zum nächsten NFL Spiel im kommenden Jahr. Für uns eine merkwürdige Erfahrung, denn so schön London auch ist und so toll das Spiel auch war – noch nie waren wir so überglücklich nach knapp drei Tagen wieder zu Hause zu kommen…  Es wäre leicht das Alles mit einem Zitat von „Cousin Avi“ (Dennis Farina) aus dem Film „Snatch“ abzutun, der bei der Einreise aus London zurück in die USA dem Zöllner auf die Frage „Anything to declare?“ „Yeah, don´t go to England“ antwortet. Denn London hat auch seine schönen Seiten, man sollte nur eben nicht so viel Pech haben wie wir, auch wenn die gemeinsame Erinnerung an all die Katastrophen sicher verbindet.

Reisejahr: Frühling 2012

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