Drive till the sunrise – mit den letzten Tropfen zum Uluru

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Im September 2011 bin ich 10 Monate aufgebrochen um die Welt zu erkunden. Zuerst ging es als Backpacker nach Australien wo ich gute 8 Monate gereist bin und gearbeitet habe und im Anschluss bin ich noch 6 Wochen durch Malaysia und Thailand gereist. Nach einigen Monaten an der Ostküste und in der Nähe von Melbourne ging es im März 2012 endlich ins Zentrum von Australien. Ich hatte mit kurz zuvor mein erstes eigenes Auto gekauft, einen Holden Commodore Stationwagon, groß genug das 2 Personen darin auf einer Luftmatratze schlafen können. Nachdem ich als erstes Tasmanien erkundet hatte, war ich zurück in Melbourne, wo ich Lara eingesammelt habe. Wir hatten uns in Sydney kennen gelernt und wollten nun von Melbourne aus über die Great Ocean Road, Adelaide und einem Abstecher zum Uluru nach Alice Springs mitten im Herzen Australiens fahren. 7 Tage und ca. 3000 km später sollte dort ihr Flieger nach zurück nach Deutschland starten. Die Ersten zwei Tage verbrachten wir auf der wunderschönen Great Ocean Road und am dritten Tag haben wir spät abends Adelaide erreicht. Am 4. Tag ging´s dann in Richtung Outback, wir waren erst recht spät losgekommen so schafften wir es an diesem Tag nur bis kurz vor Port Augusta.

Da uns hier der offizielle Campingplatz am Straßenrand nicht gefallen hat sind wir auf einem Feldweg vom Highway abgefahren und haben die Nacht im Busch gecampt. Am nächsten morgen ging es dann weiter nach Port Augusta, hier haben wir einen letzten Blick aufs Meer geworfen, eingekauft und an einer Tankstelle auch noch einen 10 Liter Benzinkanister gekauft, auch wenn der hier gefühlt das fünffache vom normalen Preis gekostet hat, eine lohnende Investition wie sich noch herausstellen sollte. Vollgetankt und mit Verpflegung für die nächsten Tage ging es dann um 12 Uhr mittags los in Richtung Uluru. Bis dahin waren noch 1300 km zu bewältigen und dann noch weitere 500 km bis nach Alice Springs. Da wir auf jeden Fall einen Sonnenaufgang am Uluru sehen wollten entschieden wir uns die Nacht durchzufahren. Lara ist losgefahren und ich habe die Zeit für ein Nickerchen genutzt. Der Highway scheint endlos zu sein, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 110 km/h und um den Spritverbrauch zu drosseln sind wir eher noch etwas langsamer gefahren. Meist geht es so lange geradeaus, dass die Straße sowohl nach vorne als auch im Rückspiegel im Hitzeflimmern verschwindet. Die Landschaft ist meist sehr eintönig und außer ein paar Emus, toten Kängurus am Straßenrand und ab und zu einem Roadtrain sieht man nicht viel.

Nach einigen Stunden erreichten wir die Minenstadt Coober Pedy, hier haben wir ein Pause gemacht und aufgetankt. Es gibt auf der Strecke nur wenige Tankstellen und da bei meinem betagten Commodore die Tankanzeige nur teilweise und der Kilometerzähler gar nicht funktionierte, entschlossen wir uns, bei jeder Möglichkeit zu tanken. Als die Sonne langsam unterging erreichten wir eine Tankstelle mitten im Nirgendwo, wo wir bei einem wunderschönen Sonnenuntergang Abendessen gekocht haben. Es war auch langsam Zeit für einen Fahrerwechsel, und so fuhr ich in die Nacht hinein. Tagsüber waren uns schon wenige Autos begegnet jetzt wurden es noch weniger. Da mein Commodore keine extra Scheinwerfer hatte, bin ich nachts nur noch so 80 km/h gefahren. Die Kühe können sich hier auf riesigen Weiden bewegen und auch mal auf dem Highway stehen und auch ein Zusammenstoß mit einem Känguru oder einem wilden Dromedar wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Nach kurzer Zeit haben wir auch schon die ersten Kühe am Straßenrand gesehen und uns wurde klar wie vorsichtig wir sein müssen. Wenig später kam uns das erste Auto entgegen, da es uns sehr blendete, gab ich ihm, wie in Deutschland üblich, mit einer Lichthupe zu verstehen, er soll doch bitte abblenden. Kurz darauf, als das Auto fast neben mir war, ging auf einmal auf dem Dach das Blaulicht an. Das konnte nur mit gelten also hielt ich mit etwas schiss an. Bis dahin hatte ich noch keinen Kontakt mit der örtlichen Polizei gehabt. Doch die Polizisten waren, zumindest zu uns, sehr freundlich, wollten nur wissen wo wir hin wollen und wo wir vorhaben zu schlafen.

Bevor sie uns weiterfahren ließen erzählten sie noch, dass sie eben andere Deutsche kontrolliert hatten und diesen ein hohes Bußgeld verpasst hatten. Bußgelder in Australien können schnell mal mehrere hundert Euro betragen, also waren wir erleichtert als wir unbeschadet weiterfahren konnten. Nach weiteren Stunden erreichten wir die Abzweigung zum Uluru. Inzwischen war es mitten in der Nacht und die eingeplante Tankstelle sollte erst am morgen, lange nach Sonnenaufgang wieder öffnen. Mit dem Wissen zumindest noch für 100 km Sprit im Reservekanister zu haben, fuhren wir also weiter. Es waren noch 260 km bis zum Uluru und damit zur nächsten Tankstelle. Selbst wenn der Tank, wie viel auch immer er noch enthält, leer ist, sollten wir es also noch zu einer Tankstelle schaffen. Nachdem ich nun einige Stunden durch die Nacht gefahren war, halfen auch die eineinhalb Liter Energiedrink nicht mehr, die ich im laufe der Nacht getrunken hatte. Also fuhr Lara die letzte Stunde. Allen Befürchtungen zum Trotz reichte der Sprit und wir erreichten den Uluru National Park zirka eine Stunde bevor er öffnet. Müde wie wir waren parkten wir direkt neben dem Eingang und schliefen die Stunde auf den Autositzen. Dann fuhren wir auf einen Parkplatz und genossen einen wunderschönen Sonnenaufgang am Uluru. Als wir später den Parkplatz verlassen wollten schaffte ich es noch den Wagen rückwärts aus der Parklücke zu setzen, doch schon beim Einlegen des ersten Gangs ging der Motor aus. Wir hatten also wirklich auf dem allerletzten Tropfen den Uluru erreicht…

Reisejahr: Frühling 2012

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