займы онлайн на карту срочно круглосуточно

Eine Nacht unter Rios Vollmond mit unerwartetem Ende

bild3

Es ist meine letzte Nacht in der wohl heißesten Stadt Brasiliens. Obwohl hier in Rio gerade der brasilianische Winter herrscht, ist jene Nacht im August so warm, wie keine andere zuvor, seit ich angekommen bin. Abgeschlagen vom Touristenrummel und nur wenige Tage nach der Fußballweltmeisterschaft, wohne ich alleine in einem Hostel, am Fuße des Pedra Bonita (übersetzt: schöner Stein).

Was mich in den südlichen Teil von Rio lockte war die Ruhe und die Möglichkeit auf den einen oder anderen Gleitschirmflug über die eindrucksvolle Landschaft. Zwar reiste ich allein, doch dauerte es in den letzten Wochen meiner Brasilienrundreise bisher nie lange, bis ich Kontakt zu Gästen und Einheimischen bekam. So auch diesmal: In diesen Tagen lernte ich unter anderem auch Vanessa kennen, die Besitzerin des Hostels, wo ich meine Nächte verbrachte. Und von ihr kam irgendwann das attraktive Angebot, gemeinsam mit ihr und ein paar Freunden, ein ganz besonderes Abenteuer zu erleben: Eine Nacht unter freiem Himmel, auf dem Gipfel des Pedra Bonita.

Es war bereits dunkel als wir uns zu fünft auf machten. Unsere Kissen, Decken und Schlafsäcke warfen wir auf einen Pick-up, um mit selbigem die erste Etappe zum Gipfel zu nehmen. Wenige Minuten und rund 500 Höhenmeter später, umgab uns auf einem abgelegenen Parkplatz nur noch dunkle, schwarze Nacht und ein paar fröhlich vor sich hertanzende Glühwürmchen im angrenzenden Wald. Der Himmel war klar, der Mond kugelrund und hell, die Temperaturen angenehm und kein Wind. So packten wir unsere Sachen von der Abladefläche des Pick-ups und gingen zu Fuß weiter.

Vanessa kennt sich als Carioca, also als Einwohnerin von Rio, besonders gut mit den umliegenden Wanderwegen aus. Auch mit den inoffiziellen, wie wir beim steilen Aufstieg schnell feststellten. Einen offiziellen gäbe es zwar auch, meinte sie schnaufend, doch dieser hier sei kürzer. Wohl denn liefen und kletterten wir samt Gepäck und Taschenlampen, rund eine halbe Stunde lang durch den finsteren Wald, der nur selten Mondlicht durch die dichten Blätter ließ. Irgendwann wurde der Weg flacher und unsere Schritte schneller. Vanessa und ich haben die anderen abgehängt als wir den Wald hinter uns ließen und sich der Gipfel dieses riesigen Felsens vor uns ausbreitete.

Von nun an brauchten wir die Taschenlampen nicht mehr, denn der Mond erhellte alles. Weiße Blüten bedeckte teilweise den Felsen, dessen Struktur an die weichen Wellen einer ruhigen See erinnerte. Nur wenige Schritte gingen wir den Felsen entlang, da stockte mir der Atem. Eine überwältigende Sicht über Rio de Janeiro breitete sich unter uns aus. Man konnte links die hell leuchtende Christusstatue auf dem Corcovado sehen und weiter rechts hinten, lag im Dunklen der Zuckerhut. Unter uns funkelten die Lichter der Hütten der Favela Rocinha, weiter vorne sah man die Promenade der Copacabana und die des berühmten Strands von Ipanema. Ich stehe am Rande des Felsens und wurde von einem unendlichen Freiheitsgefühl gepackt, die ich schweigend tief in mich einsog.

Ein lauer Wind wirbelte Vanessa und mir durch´s Haar als wir uns setzten, um auf die anderen zu warten. Dabei erzählten wir uns Geschichten aus unseren Leben und gaben zwischendurch Lichtzeichen zu anderen Wanderer auf dem gegenüberliegenden Felsen, dem Pedra da Gavea. Irgendwann tauchten dann auch unsere Freunde auf, breiteten eine Picknickdecke aus und öffneten eine Tüte Chips und eine Flasche Rotwein. Und während wir so aßen und tranken, wurden Legenden von den umliegenden Felsen erzählt, die so typisch für Rio sind und von denen wohl die wenigsten Touristen gehört haben. Als die Anstrengung der Wanderung und der Wein unsere Augen müde werden ließen, suchten wir uns einen Schlafplatz und breiteten unsere Decken dort aus. Doch an Schlaf konnte ich noch lange nicht denken, und so ging ich auf die andere Seite des Felsens um mich dort an den Rand zu legen. Mit leichter Musik in den Ohren schaute ich zu den Sternen hoch und döste alsbald dann doch seelig ein.

Ich weiß nicht, wie lange ich so dagelegen habe, doch der Wind frischte auf und ich musste meinen Schlafplatz verlassen. Hinter einer Hecke, nur wenige Meter von den anderen entfernt, fand ich eine geschützte Ecke und verbrachte dort die restlichen Nachstunden – bis der Morgen graute. Dann hörte ich Stimmen und registrierte, dass auch andere sich den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen wollten. Mit einem mal, fing auch die Blase an zu drücken. Ich sortierte meine Knochen vom harten Boden auf, stand auf und lief über den Felsen, um nach einer günstigen Ecke zu suchen. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem kleinen Lagerfeuer vorbei, das wohl einer der neuen Gäste gemacht hat. In Gedanken ging ich daran vorbei, tat, was ich tun musste und ging anschließend hoch zum Felsenrand um mir den unvergesslichen Sonnenaufgang über Rio anzusehen – sicher ungelogen einer der Schönsten bisher in meinem Leben.

Noch ganz überwältigt von diesem Naturereignis schlenderte ich zurück zu meinem Schlafplatz und hing dort meinen Gedanken nach. Der Wind wurde stärker und dann roch ich es: Feuer! Ich stand auf. Drehte mich um. Sah hinter die Hecke. Tatsächlich: Eine Feuerfront hatte sich dahinter aufgebaut und loderte wild – und kam durch den Wind direkt auf meine noch schlafenden Freunde und mich zu! Ich rief zu ihnen rüber, um sie zu warnen. Als ich sah, dass sie das Feuer bemerkt hatten packte ich meine Sachen zusammen. Es musste schnell gehen, denn hinter mir gab es nur eins: den Abgrund.

Mit den Sachen in der Hand rannte ich um die Hecke herum, vorbei am Feuer und auf eine kahle Fläche. Wie so viele von den anderen stand ich da und konnte nicht glauben, was ich sah: Das Feuer gewann schnell an Größe und hatte nach kurzer Zeit auch meinen zuvor sicheren Schlafplatz mit seinen Flammen in der Gewalt. Dann ratterte es… Nun hatte sich der Wald hinter mir in meine Gedanken eingeschlichen, der mindestens genauso trocken war wie alles andere, was auf dem Felsen wuchs. Wenn der Wind nicht schwächer wurde und sich dann noch drehen sollte… Die Menschen um mich fingen an zu weinen, manche schrien sogar. Ich lief zu meinen Freunden rüber und machte Druck, sie sollen sich beeilen. Sollte das Feuer den Wald erwischen, wäre der Fluchtweg versperrt! Endlich bewegten sie sich.

Dann lief ich los. So schnell ich konnte ging es durch den Wald, den Felsen hinunter. Nur nicht stehen bleiben, bis ich unten am Pick-up bin! Versehentlich nahm ich den offiziellen Weg nach unten, doch ich wusste ja, dass er auch zur Straße führt. An einem Wachmeisterhäuschen kam ich nach ca. 45 Minuten endlich raus, lief zum Auto, warf meine Schlafsachen auf die Ladefläche und ging eilig weiter zur Gleitschirm- und Drachenstartrampe, von wo aus man den Gipfel des Pedra Bonita sehen kann.

Die Flammen hatten den Gipfel einseitig bereits komplett eingenommen. Denn so sollte der Wald verschont bleiben. Und tatsächlich: Als ich zurück zum Pick-up kam, kam Vanessa auf mich zu. Ich war so froh sie zu sehen und fragte, wo die anderen seien. Sie warten unten auf uns, sagte sie und öffnete den Wagen.

Zwei Stunden später: “Zum Glück ist niemandem etwas passiert”, dachte ich so für mich, als ich vom Linienbus aus in den mittlerweile wolkengrauen Himmel schaute. Wie schnell doch aus einem kleinen Lagerfeuer und einigen regenlosen Tagen, ein Brand entstehen kann. Hoffentlich war das mein erster und mein letzter, sagte ich zu mir. Doch Rio, dich werde ich irgendwann sicher wieder besuchen.

Reisejahr: Sommer 2014

Aktueller Punktestand:

32
?
Score wird einmal täglich aktualisiert. Nächste Aktualisierung in ca. 2h

Kommentare