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Gospel der unter die Haut geht

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Hattet Ihr schon einmal die Möglichkeit, einen Gospelchor im Original zu sehen?
Seitdem ich in Downtown Detroit die Möglichkeit hatte, einen Gospelchor im Original und Live zu sehen, bin ich wie weggeblasen und muss ganz klar sagen: Würde es hier im Umkreis so einen Gottesdienst geben wie ich ihn dort erlebt habe, würde man mich zu hundert Prozent jeden Sonntag in der Kirche sehen.
Während meines Auslandspraktikums in Detroit lernte ich meine Arbeitskollegin Tramaine kennen. Tramaine war ein paar Jahre älter als ich und mit ihrer Familie sehr in der Kirche engagiert. Sie fing einen Monat nach mir ihre Stelle an. Sie schien sehr nett und wir freundeten uns sehr schnell an.
Tramaine hatte mir ein paar Wochen später in der Mittagspause erzählt, dass sie in einem Gospelchor singen würde. Mein Interesse war sofort geweckt und ich wollte unbedingt mehr wissen. Ich war ja schon immer ein totaler Fan von Gospelmusik und fragte sie natürlich prompt, ob sie mich mal mit in die Kirche nehmen würde. Wir verabredeten uns für den kommenden Sonntag in Downtown Detroit.

Ich war zu meiner Überraschung sehr nervös als ich an diesem Sonntag zur Kirche fuhr. Als ich dort war, wusste ich dann auch warum. Der Greather Bethlehem Temple lag mitten in einer der verkommenen Wohnsiedlungen. Wo einst zauberhafte große Villen das Wohngebiet schmückten, standen nur noch verwahrloste und zum Teil wirklich sehr heruntergekommene Rohbauten. Später erzählte sie mir von den Reichen Leuten, die früher dort gewohnt hatten. Von damals, als es Detroit noch gut ging und die Automobilbranche noch boomte. Mittlerweile hätten durch die Krise alle die Stadt verlassen und nun kümmerte sich einfach niemand mehr um die großen Villen und beeindruckenden Häuser. Innerlich zerbrach mir das Herz bei dem Gedanken daran, wie schrecklich es hier für die Familien sein musste und wie viele Existenzen durch die Wirtschaftskrise zugrunde gingen.

Als ich auf den Parkplatz fuhr, lotste mich ein junger Kerl, ich schätze Anfang 20, in seiner gelben Warnweste auf den umzäunten Parkplatz hinter der riesigen Kirche. Sie kam mir viel größer vor, als die in Deutschland. Also der Name Tempel traf es sicherlich, denn sie wirkte wahrlich wie ein Tempel.
Ich stieg aus meinem Auto und richtete gerade noch schnell meinen Blazer und meinen Schal als ich aufschaute und feststellte, wie ich von ein paar anderen Kirchgängern begutachtete wurde. Ich spürte ihren verwunderten Blick, und sah in ihren Augen die aufkommende Frage, was wohl die Unbekannte hier wollte. Sie waren dennoch sehr nett und wünschten mir einen guten Morgen. Ich folgte ihnen einfach zum Eingang.

Als ich vor der riesigen Eingangstür stand, kam mir auch schon gleich Tramaine mit ihrer Schwester Tracy entgegen. Sie freute sich und zu meinem Erstaunen auch ihre Schwester. Es schien sogar als würde sich ihre Schwester noch mehr über meinen Besuch freuen, obwohl sie mich gar nicht kannte.
Tramaine stellte mich ihrer riesigen Familie vor. Irgendwie nahm das alles schier gar kein Ende mehr und letztendlich schüttelte ich um die 30 Hände. Ich war total überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Man mag den Amis ja Oberflächlichkeit vorhalten, aber dieses Mal hatte es definitiv nichts damit zu tun.

Wir setzen uns auf eine der Kirchenbänke im vorderen rechten Flügel der Kirche. Rechts neben mir war ein Schlagzeug aufgebaut und ein Orgelspieler klimperte schon etwas auf der Orgel umher. Zehn Minuten später begann der Gottesdienst. Ich fragte Tramaine vorher noch schnell, ob es den ok wäre, wenn ich während des Gottesdienstes ein paar Bilder machen würde. Mir war klar, dass sich das eigentlich nicht gehörte, jedoch spürte ich in diesem Moment, dass das für mich etwas ganz Besonderes sein würde und ich wollte den Moment einfach festhalten.
Der Gottesdienst begann. Ich verstand nicht sonderlich viel von der Predigt, aber ich war total verblüfft. Verblüfft, weil alles so anders war. Der Priester las seine Predigt nicht einfach so runter. Er setzte alle seine Gefühle hinein und gestikulierte manchmal wild um sich, während die Besucher ihm immer wieder bestätigende Worte zuriefen. Ich war völlig begeistert.

20 Minuten später kam das, worauf ich mich schon seit so langer Zeit gefreut hatte. Ein Gospelchor von rund 20 Leuten zog ein und stellte sich vor dem Altar auf. Tramaine und ihre fünf Geschwister waren ein Teil davon. Ich saß mit ihren Eltern auf der Bank und konnte es kaum erwarten sie endlich singen zu hören. Ich hatte mir ja schon einiges immer wieder auf YouTube angeschaut, aber das was mir da geboten wurde, sollte alles sprengen was ich mir je vorgestellt hatte. Die Chorleiterin war vielleicht Mitte 20 und war während der Lieder so in Rage, dass ich manchmal das Gefühl hatte, man dürfte ihr in diesem Moment wohl nicht zu nahe kommen…
Die Orgel legte los und auch das Schlagzeug kam zum Einsatz. Ich saß nur noch da und ließ mich berieseln. Ich hoffte, dass es noch eine ganze Weile dauern würde, bis diese Lieder fertig waren. ES WAR EINFACH DER WAHNSINN!!! Die Power und die unglaubliche Energie, die diese Sänger in die Lieder packten, war einfach umwerfend.
Dieser Tag war für mich der Beste seit langem. Auch in den kommenden Wochen war ich immer wieder beim Gottesdienst dabei. Tramaines Familie nahm mich so herzlich auf und sie lud mich hinterher zum Abendessen oder zum Brunchen ein. Es war einfach ein so tolles Gefühl so herzlich aufgenommen zu werden. So wie es diese Unterschiede nie geben sollte! Diese Wärme und diese Geborgenheit, die ich in den kommenden Monaten durch diese Familie gespürt hatte, bringt mir noch heute Gänsehaut auf die Arme.
Mit Tramaine bin ich heute noch in Kontakt und ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich sie kennen lernen durfte und sie mir ihre Welt zeigte.

Reisejahr: Frühling 2011

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