Heiße Nächte zum Karneval in Rio

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Und so machte ich mich im November 2012 auf nach Südamerika und begann meine Reise in Brasilien, genauer gesagt in Rio de Janeiro! Während meines Aufenthaltes dort habe ich viele interessante Menschen aus aller Welt kennengelernt und auch die Stadt mit allen Facetten, Ecken und Kanten aber vor allem dem lebenslustigen Charme lieben gelernt! Vor allem im Hostel Lisetonga in der kleinen Favela in Leme habe ich mich unendlich wohl gefühlt und mir mit den Angestellten Luis, Julian und Thiago die ein oder andere Nacht um die Ohren geschlagen. Mit der Zeit und unzähligen Spanisch- bzw. Portugiesisch Stunden sind wir richtig gute Freunde geworden. Trotzdem zog mich die Reiselust nach einiger Zeit weiter und ich setzte meine Tour durch Uruguay, Argentinien, Chile, Bolivien und Peru fort.

Am Anfang dachte ich nicht, dass mich meine Reise noch einmal so bald in die Stadt des Sambas bringen würde, doch konnte ich der überaus verlockenden Einladung meines Freundes Luis nicht widerstehen, zum Karneval noch einmal nach Rio zu kommen. So flog ich am 06.02.2013 aus Santiago de Chile noch einmal zurück.

In Rio angekommen schnappte ich mir den lokalen Bus in Richtung Leme und erlebte gleichzeitig das erste Mal die feiernden Menschenmassen in den Straßen der brasilianischen Stadt. Überall hörte man Musik, alle Leute tanzten und trommelten auf allem rum was Sie finden konnten. Auch im Bus war die ausgelassene Stimmung spürbar. Ein Mitreisender mit dem ich etwas ins Gespräch gekommen war, öffnete eine Flasche Wein aus seinem Rucksack und es wurde mit allen umliegenden Passagieren angestoßen. Dann kam meine Station und ich machte mich auf in die kleine Favela Morro da Babilônia, wo Luis ein Zimmer gleich gegenüber meines alten Hostels Lisetonga gemietet hatte. Der Empfang war überaus herzlich und ich wurde von Luis und seinem Mitbewohner Nico, einem Schweizer gleich zum ersten Bloco (der Karneval in den Straßen Rios) mitgenommen, der gleich unterhalb der Favela in Leme am Strand stattfand. Wir tanzten und sangen (ich verstand zwar kein Wort aber das war jedem egal) und feierten die halbe Nacht mit unzähligen Caipirinhas, bis wir um vier Uhr früh ziemlich erschöpft in die Betten fielen.

Zwei Tage darauf kündigten sich nun auch zwei Freunde aus Deutschland an, die mich beide gerne auf meiner Reise besuchen wollten. Bernhard und Verena kannten sich vor dem Abflug nur vom Telefon und waren schon vor Abflug sehr gespannt, wie der unbekannte Reisepartner wohl sein würde.
Ich machte mich auf zum Flughafen und kam mit einer ¾ Stunde Verspätung auch dort an, weil aufgrund der vielen Umzüge ein absolutes Verkehrschaos in der Stadt herrschte. Die Beiden warteten wie vermutet schon einige Zeit in der Ankunftshalle auf mich. Da die Zwei im Hostel Lisetonga leider kein Zimmer mehr bekommen hatten, waren Sie einige Blocks weiter in einem anderen Hostel eingebucht und so machten wir uns auf in Richtung Copacabana, um die Beiden einzuchecken, bevor wir uns noch zu einem kleinen Umtrunk aufmachten. Bei einer Flasche Wein berichteten wir uns gegenseitig die neuesten Informationen von Zuhause oder meiner bisherigen Reise und es war bereits spürbar, dass wir ein gutes, lustiges Trio für die nächsten Wochen werden würden. Als ich die 2 zu ihrem Hostel zurück brachte, entdeckten wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Brasilianerinnen, die gerade in voller Karnevalsmontur mit rießigen Federhüten aus einem Taxi stiegen. Da ich ein solch schönes Kostüm noch nie aus der Nähe gesehen hatte, lief ich hinüber und fragte die Damen, ob ich denn ein Foto von Ihnen machen dürfte. Und ehe ich mich versah stülpte die eine mir ihr Kostüm über die Schultern und drückte mir die Kopfbedeckung auf die Stirn. Ich glaubte nicht, was da gerade passierte und freute mich wie ein kleines Kind an Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig. Wir drei hatten mit den Ladies sehr viel Spaß und machten einige Erinnerungsfotos bevor sich die 2 schlussendlich ins Bett verabschiedeten.

Wie verabredet holte ich Bernhard und Verena am nächsten Vormittag ab um zum Strand zu gehen. Ihr Zimmer befand sich im absoluten Chaos und die Beiden sahen nicht recht glücklich aus, sodass wir noch einmal bei Luis im Hostel Lisetonga nachfragten, ob die 2 denn noch eine Chance auf ein Zimmer bekommen würden. Glücklicherweise hatten einige Gäste abgesagt oder waren nicht erschienen, sodass wir gleich am selben Vormittag noch umziehen konnten.
Anschließend gingen wir an den Strand und genossen die zu Zeiten des Karnevals total überfüllte Copacabana. Abends machten wir uns mit Camilla und ihrem Bruder Thomas aus Rosario, die auch im Hostel wohnten, auf zur berühmten Christusstatue in Rio. Da wir eine der letzten Fahrten auf die Spitze des Corcovado ergattert hatten, konnten wir einen überwältigenden Sonnenuntergang bewundern. Sehr spannend empfanden wir, wie die Lichter in den vielen Hügel der Favelas bei Nacht leuchten und eine ganz spezielle, geheimnisvolle Stimmung auf die Stadt warfen.

Am nächsten Tag verabredeten wir uns um nach Ipanema zu einem Markt und anschließend an den Strand zu fahren. Diesmal schlossen sich uns auch Ruben, auch aus Argentinien und Don, ein Phillipino an. Luis musste wieder arbeiten und auch Thiago konnte nicht mit uns kommen. Mit viel Bier, Caipirinhas und ein paar Hot Dogs verbrachten wir den ganzen Tag in und am Meer. Zum Abend hin kletterten wir auf den Arpoador , um einen erneuten, wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen. Schon während des Sonnenuntergangs wurde am Strand von Ipanema ausgiebig in einem Bloco gefeiert und wir schlossen uns dem wilden Treiben an. Vor allem Tom und Don trommelten mit Holzspießen auf leere Bierdosen, und wir anderen tanzten ausgelassen bis wir uns Stunden später in Richtung Leme aufmachten, um die Nacht in den Hügeln unserer Favela bei einem der supergünstigen, extrem leckeren Favela-Burgern ausklingen zu lassen.

Den Vormittag des folgenden Tages verbrachten Bernhard und Verena mit Ruben. Zusammen entdeckten Sie den Pão de Açúcar / Zuckerhut, nachdem Ruben bei einer Anlaufzeit von fast 2 Stunden endlich abfahrbereit war. Da sag noch einmal Frauen brauchen lange im Bad.
Danach trafen wir uns im Hostel zusammen mit den anderen um uns an die Lagoa in Rio zu setzen um ein paar Cocktails zu trinken. Diesmal war auch Ian, ein Engländer mit von der Partie. Ruben brauchte erneut über eine Stunde bis er fertig war und alle waren mehr oder weniger genervt, weil die Sonne schon untergegangen war, als der kleine Argentinier schließlich ums Eck bog und meinte, er sei jetzt „ready“! Eilig machten wir uns auf und schlenderten den Berg der Favela hinunter. Und plötzlich entdeckten wir einige Meter weiter den Hügel hinunter einige, recht große und üppig gestaltete Kostüme am Wegesrand, die wohl für den Müll bestimmt waren. Während wir unser Glück nicht fassen konnten, wurde aus dem Haus daneben noch 2 weitere dazu geworfen. Nachdem wir uns ungläubig vergewissert hatten, dass diese wirklich nicht mehr gebraucht würden und sie diese sicher nicht mehr haben wollten, bepackten wir uns mit etlichen Kostümen und Zubehör. Mit einem strahlendem, breitem Lächeln im Gesicht und wild durcheinander redend machten wir uns mit unserer Beute davon und bestiegen den Bus in Richtung Lagoa!

Unterwegs wurden wir natürlich von vielen Touristen und Einheimischen gefeiert, fotografiert und belacht. Und stolz als auch glücklich trugen wir die im Bus zum Teil sehr umständlichen Kostüme durch Rio de Janeiro. Wir wurden mehrmals gefragt ob denn heute noch irgendein Bloco stattfinden würde, was wir allerdings selbst nicht wussten und auch niemand sonst uns etwas dergleichen sagen konnte. Nachdem wir unseren Fund in der Cocktailbar ausgiebig gefeiert hatten, tourten wir mit einem Kleinbus wieder zurück ins Hostel Lisetonga. Dort feierten wir mit Thiago, Julian und einigen anderen Gästen bis schließlich zuerst das Bier aus war, anschließend der Caipirinha alle war und zum Ende hin auch alles andere Trinkbare seinen Weg in uns Feierwütigen gefunden hatte. In den frühen Morgenstunden wurden wir dann von der Chefin des Hostels ermahnt, endlich leise zu sein, jedoch meinte Ian mit der Riesengroßen Plastikgitarre: „I caaaaaaan´t plaaaaaay sileeeeent!!!!“ und schrammte weiter in die nicht vorhandenen Saiten. Wir tanzten weiter bis schließlich nur mehr unser kleiner Haufen von Kostümierten über war und die Chefin erneut um Ruhe bat. Also packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf an den Strand um dort zu baden, weiter zu feiern und den Sonnenaufgang zu genießen.

Und so saßen wir schließlich da, salzig vom Meer, beduselt von einigen Caipirinha, völlig entspannt! Zufrieden! Und einfach nur Glücklich!
Und mit der Sicherheit, dass wohl niemand außer uns das Ende des Karnevals und den Valentinstagsmorgen so gefeiert hatte, wie wir!

Reisejahr: Frühling 2013

Aktueller Punktestand:

964
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