Mauern sind da, um Mauern zu brechen – Eine unerwartete Liebe in China

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Im Sommer 2012 absolvierte ich mit einigen meiner Freunde eine schon lange geplante Reise in das Land des Drachen, China. Wir wollten innerhalb von 3 Wochen Wochen möglichst alles mitnehmen, was dieses riesige Land an Kultur, Natur, Menschen etc zu bieten hat, obwohl wir schon vorher wussten, dass die Zeit dafür wohl zu knapp werden könnte.
Wir waren insgesamt 6 Leute, 2 Frauen und 4 Männer. Wir kannten uns schon viele Jahre und zwischen uns gab es auch immer nur Freundschaft. Ich konnte mir zum Abreisezeitpunkt bei bestem Willen nicht vorstellen, dass sich dies ändern konnte.

Schon Wochen vor der Abreise fragte ich scherzhaft eine Freundin (Cici), ob sie mich als Reiseführerin durch China begleiten könnte, weil sie bis vor einigen Jahren in China gelebt hat und dementsprechend das Land super kennt.
Die ersten 5 Tage besuchten wir Sehenswürdigkeiten, Events und Restaurants stets mit der ganzen Gruppe. Leider erwischte mich dann aber eine Grippe, die mich mit über 39 Grad Fieber ans Bett fesselte. Ich bat meine Freunde dennoch das zu machen, was zuvor schon geplant war und sich wegen mir den Urlaub nicht versauen zu lassen. So reisten sie vom 6. bis 10. Urlaubstag ohne mich durch China.
Am 11. Tag war ich dann wieder auf den Beinen und Cici kam auf meine eigentlich scherzhaft gemeinte Frage zurück, ob sie mich als Reiseführerin durch China begleiten könne. Sie erklärte mir, dass sie mir gerne die Orte zeigen würde, die ich in den letzten 5 Tagen verpasst habe. Nach Rücksprache mit meinen anderen Freunden nahm ich dieses tolle Angebot an und ich konnte darauf glücklicherweise noch einige recht billige Last-Minute Flüge und Zugfahrten zu diversen Orten für uns buchen.

Unser erster Ausflug ging zu der ostchinesischen Stadt Qingdao, eine ehemalige deutsche Kolonie. Anhand der Architektur lässt sich dies auch heute noch erkennen. Es gibt dort zudem ein sehr erfolgreiches Bier (Tsingtao). Wir schlenderten durch die Stadt, besuchten Museen, schauten uns die deutschen Bauten an und besuchten den Tempel Taiqing. Da Qingdao ebenfalls ein paar schöne Badeplätze anbietet, verbrachten wir noch knapp 2 Stunden am Meer, um dort ein bisschen im doch recht kalten Pazifik zu baden.
Wir besuchten abends ein schönes chinesisches Restaurant und ich war erstaunt, wie wunderbar wir uns verstanden. Natürlich hatten wir auch zuvor schon ein gutes Verhältnis, aber es waren nie wirklich ausgeprägte Gespräche zwischen uns. Irgendwie kamen wir nie auf den gleichen Nenner und es schien, dass irgendwas zwischen uns ist, was uns daran hindert. An diesem Abend jedoch unterhielten wir uns nahezu ohne Pausen und ich fühlte mich sichtlich wohl mit ihr zu reden. Wir suchten uns nach dem Essen ein günstiges Hotelzimmer und planten am nächsten und übernächsten Tag nach Peking bzw. zur chinesischen Mauer zu reisen.

Genau dies taten wir dann auch. Für mich war die chinesische Mauer eine der aufregensten Dinge Chinas und ich freute mich riesig darauf. Als wir dann am dritten Tag unser gemeinsamen Reise, nach einem schönen Tag in Peking, an der Mauer in der Nähe von Peking ankamen, war ich schier überwältigt von dem Anblick. Eine scheinbar nicht endende Mauer in unendlichen Wäldern lag vor uns. Ein unglaublicher Moment. Wir gingen stundenlang über die begehbaren Teile der Mauern, immer stoppend an besonders schönen Stellen. Wir fanden einen Sitzplatz, ruhten und aßen dort eine Weile. Ich wollte mich bei Cici bedanken, dass sie sich die Mühe macht mich zu begleiten. Ich umarmte sie und bemerkte sofort, dass irgendetwas anders war als vorher. Aus einer kurzen Umarmung wurde eine lange Umarmung. Wir schauten uns danach an, waren wohl beide überrascht und schwiegen. Wir begaben uns auf den Rückweg. Auf der Hälfte der Strecke nahm sie dann meine Hand. Wir schauten uns wieder an, lachten und gingen bis zu unserem Ausgungspunkt der Mauer. Es schien wirklich so, als hätte das Erleben der chinesischen Mauer, einige Mauern zwischen uns zum Einbrechen gebracht, da wir nun erkannten, dass doch mehr zwischen uns sein kann als nur Freundschaft.

Wir verbrachten noch zwei weitere Tage an verschiedenen Orten Chinas und die Gefühle füreinander verstärkten sich weiter, sodass der Rest unserer Gruppe sehr erstaunt über unsere Nähe war, als wir wieder zu ihnen zurückstiessen. Sie hätten es ebenfalls nicht erwartet, dass sich zwischen uns etwas entwickeln kann.
Die letzten Tage unserer China-Reise genossen wir wieder in der Gruppe. Ich machte aber immer wieder ein paar kleinere Abstecher zu Orten mit Cici alleine. Dort entstand unter anderem auch das Bild von uns beiden vor einer untergehenden Sonne.

Unser Urlaub endete schließlich und wir verließen China als Paar. Wir sind es heute noch und wir blicken gerne zu dem unvergesslichen Tag auf der chinesischen Mauer zurück, als wir uns neu kennenlernten….

Reisejahr: Sommer 2012

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