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Myanmar – Wie wir auf Rebellen trafen

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„Stopp!“, ist das einzige Wort das ich interpretieren kann, als sich Thura mit einer Dorfbewohnerin unterhält. Thura wirkt für seine Verhältnisse leicht angespannt. Er kommt auf uns zu, wischt sich nervös durch sein schwarzes Haar, sein typisches Lächeln wirkt ungewohnt aufgesetzt. „Wir dürfen nicht weiter und werden heute Nacht hier schlafen. Rebellen sind im nächsten Dorf!“

Doch wie kam es überhaupt dazu? Wir verlassen das Dorf unserer ersten Trekking-Station und machen uns auf, zum Rundweg durch die Berge von Myanmar. Von nun an geht es von einer Grüntee-Plantage zur nächsten Grüntee-Plantage. Zwischen den Plantagen finden wir vereinzelte Berghütten in denen Einsiedler-Familien leben. Hin und wieder machen wir dort einen Halt, weil wir zum Tee eingeladen werden, mit Kindern spielen wollen oder nur um die zauberhafte Bergwelt zu bewundern. Die Berge im Shan Staat sind nicht vergleichbar mit den felsigen Bergen der Schweiz. Hier ist jeder Berg grün bewachsen, entweder durch urwaldähnlichen Wald oder durch die unzähligen Grüntee-Plantagen.

Immer wieder treffen wir auf Menschen, die zufrieden und glücklich wirken. Auch wenn sie sich zumeist schüchtern und passiv verhalten, versuchen sie immer wieder mit uns zu kommunizieren. Sei es mit Händen und Füssen oder auch mit Thura als Übersetzter. Sie erzählen uns vom Leben in den Bergen, wie sie als Mönche monatelang im Kloster verbracht haben oder von Ort zu Ort durch Myanmar gereist sind. Fällt erst einmal die Zurückhaltung, öffnen sich die Menschen immer mehr und werden neugierig. Wollen wissen, wie das Leben ausserhalb von Myanmar denn so ist. In Deutschland, Europa oder einfach dem Rest der Welt.

Hier oben in den abgeschiedenen Bergen, ohne jegliches High-Tech, erscheint selbst mir als Mitteleuropäer ein Yangon als technologisch fortschrittliche Stadt.
Ich stelle mir die Frage, wie sich ein Dorfbewohner aus dem Shan Staat wohl in Berlin oder London fühlen würde. Würde er sein naturnahes Leben hier im Dorf gern gegen das eines Stadtbewohners eintauschen? Würde ihn das wirklich (noch) glücklicher machen? Ich beginne zu philosophieren und verliere mich in Gedanken bis Thura uns zum weiterziehen auffordert.

Bereits seit mehreren Stunden sind wir nun unterwegs, als wir am nächsten grösseren Dorf mit seinen rund hundert Einwohnern ankommen. Wir wollen unseren Wasservorrat auffüllen und so führt uns Thura zu einem kleinen Dorfladen. Als wir den Laden betreten, beginnt die Verkäuferin sogleich mit Thura zu reden. Nach einigen Minuten des Gesprächs wirkt Thura etwas nachdenklich, fast schon nervös. Er kommt auf uns zu. „Rebellen waren Gestern hier im Dorf. Heute Morgen sind sie zum nächsten Dorf weitergezogen“, erklärt er uns. Er lächelt noch immer – doch dieses Mal, so scheint es, mehr aus Verunsicherung.

Noch Gestern erzählte er uns die Geschichte von Rebellen, die ganze Dörfer besetzen oder Männer verschleppen. Angst steigt in uns auf, auch wenn Thura uns versucht zu beruhigen – doch ein „Touristen sind sicher vor den Rebellen“ nehmen wir ihm nicht ab.

Fragen schiessen uns durch den Kopf:
Was, wenn die Rebellen zurückkommen?
Was, wenn das Militär einen Angriff auf die Rebellen ausübt?
Was, wenn die Rebellen unseren Rückweg kreuzen?
Wurde in den letzten Monaten von entführten Touristen in Myanmar berichtet? Shit!

„Das letzte Dorf liegt Kilometer weit zurück und es wird bald Dunkel. Wir müssen hier übernachten. Hier sind wir sicher“, bringt Thura ein. Widerspenstig stimmen wir ihm zu, denn eine Wahl haben wir nicht.

Als unsere Neugier der Angst überwiegt, gehen wir zusammen zum Dorfrand. Laufen einen Hügel hinauf, von dem man auf das besetzte Nachbardorf blicken kann. Es ist weit genug weg, um nicht wirklich etwas erkennen zu können und doch nicht weit genug, um sich sicher zu fühlen. Wir sitzen eine Weile im Gras und beobachten die Lage. Hoffen, irgendetwas sehen zu können. Doch es ist ruhig.
Irgendwann fährt Thura mit einer weiteren Geschichte der Kategorie „Rebellen gegen das Militär“ auf:
Das Militär ist den Rebellen ständig auf der Fährte. Selten entwickelt sich daraus ein offener Kampf. Die Rebellen wissen natürlich von ihren Verfolgern und nutzen dies gnadenlos aus, indem sie ihnen Minen auf die Wege legen…
Mir ist das Ganze ziemlich ungeheuer und ich bin mir nicht mehr sicher ob ich Thuras Offenheit in diesem Moment zu schätzen weis.

Unser Trek ging am folgenden Tag mit geänderter Route weiter. Weitere zwei Tage sind wir durch die Shan Staat Berge marschiert. Doch auf die Rebellen und das Militär sind wir glücklicherweise nicht mehr getroffen.

Man mag über den Tourismus-Boom in Myanmar denken was man wolle. Mit all seinen Nachteilen, die er für das Land mit sich bringen wird, dürfte er Myanmar jedoch auch dabei helfen, seine militärischen Strukturen abzubauen und sich der Demokratie und dem Rest der Welt zu öffnen.

Reisejahr: Winter 2012

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