Polarlichtjagd in Island

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Schon vor zwei Jahren stand für mich fest: Ich muss nach Island und endlich wieder Polarlicht sehen!

Gesagt, getan. Johnny und ich fingen an unseren Road Trip als Rundreise zu planen. Ich studierte schon Wochen vor unserer Abreise im Internet die Polarlichtvorhersagen und Sonnenaktivitäten. Wir wählten den September, denn das bedeutet weniger Touris und mehr Sonnenaktivität. Jetzt musste nur noch das Wetter mitspielen…

Das erste Problem ließ leider nicht lang auf sich warten: Bardabunga. Eine Woche vor Abreise brodelte und rauchte es aus dem Vulkan und wir bangten schon um unseren Flug. Wer sich erinnern kann: nur 4 Jahre vor unserer Reise brach der Eyjafjallajökull (Ich kann es mittlerweile sogar aussprechen!) aus und stoppte den Flugverkehr für zwei Wochen.

Glück gehabt, wir konnten starten. Die Probleme aber rissen nicht ab. Stundenlanges Warten, um endlich unseren Mietwagen zu erhalten und ähnlich holprig ging es weiter: Erste wichtige Aufgabe unserer Reise war es, einen Gaskocher zu kaufen. In den zehn Tagen, in denen wir ausschließlich im Auto schlafen sollten, wollten wir uns wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit machen. Allerdings hatten wir nicht bedacht, dass die Hauptreisezeit bereits vorüber war und es in den Outdoor-Geschäften keine Gaskocher mehr geben würde. Wir sprachen unzählige Einheimische an und versuchten verzweifelt herauszufinden, wie genau denn nun dieser Laden hieße, der uns empfohlen wurde und wo wir noch Glück haben könnten. Nach ewigem Suchen wurden wir bei zwei netten Campern fündig, die gerade ihre Abreise vorbereiteten. Zu einem guten Preis konnten wir ihren gebrauchten Gaskocher, samt Gaskattusche und Anzünder erstehen.

„Lass uns endlich Essen besorgen.“, sagte Johnny. Also fuhren wir in einen Supermarkt, um möglichst haltbare Nahrungsmittel zu kaufen: Zehn Tage stand auf dem Mittagsmenü ein vorzügliches Gericht mit halbgaren Nudeln, Ketchup, Haferschleim, Baked Beans, Würstchen und allerlei Leckereien aus Dosen. Kulinarisch gesehen war Island also definitiv kein Highlight für uns.

Aber Nebensache, denn endlich konnte es richtig losgehen!

Kaum hatten wir Reykjavik verlassen, überwältigte uns die landschaftliche Vielfalt. Berge, Fjorde, Vulkangestein und Schafe wohin das Auge reichte. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und wollten am liebsten den ganzen Tag die Landschaft via Auto und Fuß erkunden. Im Hinterkopf war aber die Angst, der Vulkan könnte ausbrechen, ohne dass wir es rechtzeitig mitbekommen würden. Radionachrichten halfen uns nicht, denn unsere Isländischkenntnisse hielten sich stark in Grenzen. Zudem sollte uns das Internet bis zum Ende der Reise verwehrt bleiben…

Wir verdrängten den Gedanken, dass uns ein Aschregen in der Nacht überraschen könnte und legten unseren Fokus wieder auf die Polarlichter. So verbrachten Johnny und ich jeden Abend damit, einen möglichst hohen Parkplatz für unser Auto zu finden, um einen freien Blick zu haben und hofften dabei auf einen sternenklaren Himmel. Nacht um Nacht saßen wir draußen im Dunkeln dieses wunderschönen Landes, um anschließend immer wieder enttäuscht in unsere Schlafsäcke zu kriechen. Eines Abends wurde es jedoch merklich kühler. Wir parkten auf einem Berg und verbrachten den Abend auf den Vordersitzen bis mir plötzlich im Augenwinkel etwas Grünes am Himmel auffiel. „Schau da! Es geht los!“, rief ich Johnny zu. Sofort sprangen wir aus dem Auto und waren fasziniert über das, was über uns geschah. Ein erst schwacher grüner Schimmer schwebte über unseren Köpfen zwischen den Sternen. Von Sekunde zu Sekunde leuchtete der Schleier mehr bis er nach einer Minute wieder völlig verschwand. Kurze Zeit später tauchte wieder ein grüner Streifen am Horizont auf und bewegte sich über die Berge hinweg. Schweigen. Ich war hin und weg und versuchte noch hastig ein paar Bilder mit meiner Kamera zu erhaschen, um dieses Schauspiel festzuhalten.

Tagsüber war es nicht weniger aufregend: Gespannt standen wir minutenlang vor den Geysiren und warteten, dass er endlich Wasser raussprühte, um dann innerhalb einer Sekunde möglichst viele typische Touri-Bilder zu ergattern. Als wir zum Dettifoss (ein riesiger Wasserfall) kamen, schauten Johnny und ich uns an und mussten lachen. Die Wasserfälle am Anfang unserer Reise waren im Vergleich zu diesem einfach nur lächerlich klein. Unvorstellbare Wassermassen prasselten hier unter einem herrlichen Regenbogen nieder. Atemberaubend!

Und dann diese Gletscher mit Ihren Seen! In Deutschland natürlich nicht vorstellbar, standen wir beide vor einem Gletscher und sahen hellblaue Eisberge vor der Meermündung mit seinem schwarzen Lavastrand. Zwischen ihnen wehte ein eisiger Wind unter wolkenlosem Himmel und die Robben tummelten sich zum Sonnen am Strand.

Und dann passierte es: „Habt ihr schon gehört? Bardabunga ist ausgebrochen!“. Die Info erhielten wir von zwei anderen Touris, mit denen wir ins Gespräch kamen. Straßen wurden gesperrt, der Flugverkehr im Bereich des Vulkans eingestellt und wir fragten uns besorgt, ob es wie vor 4 jahren einen furchtbaren Ascheregen geben würde. Überraschenderweise blieben die Einheimischen total entspannt. Und tatsächlich: Keine Gefahr. Bardabunga brodelte in aller Ruhe vor sich hin, ohne jemanden merklich zu stören.

Da wir „oldschool“ mit Landkarte unterwegs waren, blieb es natürlich nicht aus, dass wir uns auch einmal ordentlich verfuhren und die schöne asphaltierte Straße plötzlich nur noch aus Schotter bestand. Zurück fahren war keine Option, vor Dunkelheitseinbruch mussten wir über den vor uns liegenden Berg sein, um bestmögliche Chancen auf Polarlichter zu haben. „Das wird übel.“, stellte ich fest, aber trat dabei schon auf’s Gaspedal. Es ging also die Serpentinen 700 Höhenmeter auf Schotterpiste und ohne Leitplanke mit unserem Kombi hinauf. Da war eindeutig Feingefühl gefragt. Ganz ohne Anspannung verlief das Ganze nicht, denn immer wieder rutschten große Steine vom Abhang. Als wir den Gipfel erreichten, mussten wir anhalten und Luft holen: Der Ausblick gen Atlantik mit einer Bergkette am Horizont und dem schwarzen Lavastrand ist unvergesslich und die Luft nie klarer gewesen.

Nach den ersten paar Tagen stellten sich schnell unsere wichtigsten Utensilien heraus: Feuchte Reinigungstücher und die Heizung im Auto! Die meisten Campingplätze bieten zu dieser Jahreszeit keine Möglichkeit mehr für eine heiße Dusche und so gut unsere Schlafsäcke auch waren, unter „angenehmen Nächten“ verstehe ich etwas anderes. Auch unsere Rücken litten immer mehr, da der Boden unseres „Avensis Kombi Bettes“ leicht nachgab und wir keine ebene Liegefläche mehr hatten. Es wurde mit der Zeit anstrengend. Von Romantik unter Polarlichtern also keine Spur, wenn man stinkend, hungrig und müde mitten in Pampa eine Nacht verbringt. Also stießen wir abends lieber mit teurem Dosenbier an und freuten uns langsam aber sicher auf unsere heimischen Betten und Duschen.

In einer der letzten Nächte fanden wir nach ewiger Suche einen geeigneten Parkplatz, um unser Nachtlager aufzuschlagen. Und welch Glück: Noch einmal sahen wir sowohl grüne, als auch leicht lilafarbene Lichter am Himmel. Sie wollten gar nicht mehr aufhören zu leuchten.

Ein Naturereignis mit absolutem Gänsehautmoment in einem nicht weniger faszinierenden Land. Island ist von den von mir bereisten Länder eins der wenigen, von denen ich sagen kann: Jederzeit wieder!

Reisejahr: Herbst 2014

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