Von Schweinen auf Rädern, selbstbewussten Krebsen und Rastas im Regenwald!

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Es ist zugegeben schwierig als Weitreisender eines von vielen Urlaubshighlights herauszupicken und zu beschreiben. Dennoch möchte ich einige unserer schönsten Momente mit Euch teilen und von unserer wunderschönen Reise auf zwei Karibikinseln berichten.

Die Idee einen gemeinsamen Urlaub mit einem befreundeten Pärchen zu verbringen, führte uns im März/April 2010 auf die karibische Gewürzinsel Granada und zu ihrer kleinen Schwester Carriacou.

Bereits im Vorfeld der Reise wussten wir von einer bereits etwas länger andauernden Trockenperiode auf den beiden Inseln und hatten auch von den Verwüstungen durch den zerstörerischen Hurrikan „Ivan“ gehört, welcher im Jahr 2004 39 Menschen auf Grenada das Leben kostete und 85 % der Gebäude zerstörte. Zum einen glauben wir aber, dass solch gebeutelte Regionen besonders in schwierigen Zeiten noch mehr auf den Tourismus angewiesen sind und zum anderen, dass die Menschen speziell in der Karibik gut mit den Naturgewalten und ihren Folgen umgehen können.

In unserer Meinung wurden wir dann auch direkt bei unserer Ankunft in der Hauptstadt St. George’s bestätigt. Es empfing uns ein pittoresker Hafen, mit einer schönen bunten Kolonialarchitektur. Auch der Rest der Insel war zum Großteil wieder aufgebaut. Zur Einstimmung verbrachten wir den ersten Tag an der 3 km langen geschützten Bucht des berühmten „Grand Anse Beach“, um am darauf folgenden Tag mit der Fähre auf die kleine Schwesterinsel Carriacou überzusetzten. Das nur 34 km² große sehr ruhige Eiland mit seinen schneeweißen Stränden ist umringt von türkisfarbenem Meer und repräsentiert die Karibik wie keine zweite Insel. Wir waren also im Paradies gelandet und konnten uns in den ersten Tagen unseres Urlaubs so richtig entspannen.

Unser Ferienhaus für die erste Woche, die „Villa Plantain Dove“, direkt am „L’Esterre Bay“, mit großem Grundstück und einer wunderschönen Terrasse, machten unseren Urlaub perfekt. Das Haus hatten wir selbstverständlich für uns alleine… dachten wir zumindest, denn wir ahnten ja noch nicht, dass mindestens acht Palmendiebe (Nein, keine Holzfäller, sondern riesige Landeinsiedlerkrebse) im Garten des Hauses wohnten. Wir entdeckten die großen Höhlen der goldigen Tierchen und ein paar Skelette dazu gleich am ersten Abend auf dem Weg zum Hafen. Nach unserer Rückkehr rannten wir im Dunklen schnell wieder zurück zum Eingangstor, um nicht einem dieser Scherenmonster zu begegnen. Dort angelangt stolperten wir fast über eine Ameisenstraße. Im Licht des Vollmonds marschierten die winzigen Insekten, bepackt mit jeweils einem roten Blütenblatt, vor dem Eingangstor hin und her. Mit ihren leuchtend roten Segeln auf dem Rücken sahen sie aus wie kleine Surfer! Leider hatten wir in diesem Moment keinen Fotoapparat und auch kein Handy zur Hand, um den Moment festzuhalten. Man kennt ja Bilder der Blattschneiderameisen, aber eher mit grünen Blättern, als in Blütenpracht.

Doch noch mehr tierische Erlebnisse vergnügten uns eine Woche lang. So fanden wir heraus, dass sich nicht nur die Palmendiebe auf Carriacou pudelwohl fühlten, sondern auch kleinere Krebse den puderweißen Strand vor unserem Haus zuhauf besiedelten. Dies bekam meine damalige Freundin (heute meine Frau – doch auch dazu später noch ein paar Worte) dann auch gleich zu spüren, als sie sich nach einem Bad im kristallklaren Wasser zum Trocknen an den Strand legte und ihr ein Krebs mehrfach frech in den Po zwickte. Er war anscheinend richtig sauer. Ich konnte es an seinen vorstehenden Augen erkennen. Sie lag ja schließlich auch mitten auf seinem Höhleneingang.
Und auch unsere Untermieter – die Leguane – bescherten uns viel Freude, sich sonnend in den Blättern der Palmen, beobachtend auf unserer Terrasse, aber besonders wenn die einheimischen Nachbarskinder sie im Takt der Reggae-Klänge am Schwanz haltend schaukelten.

Nach einer Woche auf Carriacou war es an der Zeit nun die Gewürzinsel Grenada näher zu erkunden und so wechselten wir zu unserem nächsten schönen Quartier, den „Lance Aux Epines Cottages“ am gleichnamigem „Lance Aux Epines Beach“. Ein herrliches Fleckchen und nicht zuletzt besonders für einen Heiratsantrag am Strand geeignet. Beschwingt vom allabendlichen Sundowner, hatte ich allen Mut zusammengenommen und den in Deutschland bereits erworbenem Ring erfolgreich an die Frau gebracht, unter Beifall und Jubel der Mitreisenden, welche bereits eine Woche ungeduldig auf die Umsetzung meines Plans gewartet hatten. Mission accomplished!

Eine glorreiche gemeinsame Zukunft vor Augen, unternahmen wir am nächsten Tag eine Wanderung zu den „Seven Sisters“ – und „Honeymoon Waterfalls“. Die Wanderung durch den schönen, mit zahlreichen Äffchen besiedelten“ Nationalpark führte uns zunächst vorbei an Gewürzplantagen, Bananenstauden, Kakao- und Muskatnussbäume, bevor der Weg in dichten Regenwald überging und wir nach einiger Zeit den ersten Wasserfall erreichten. Etwas schwieriger gestaltete sich die Strecke zum versteckt gelegenen aber sehr romantischen „Honeymoon Fall“, sodass wir uns nach geraumer Zeit verliefen und eine Weile keine Menschenseele mehr sahen. Verschwitzt von der schwülen Hitze und am Ende unserer Kräfte waren wir froh, als endlich ein Pick-up an uns vorbeifuhr. Es war schon ein recht seltsames Gefühl aufzublicken und auf der Ladefläche zwei entspannte Schweine zu entdecken, die ihre Hinterteile in die pralle Sonne streckten. Den Reifenspuren folgend, mühten wir uns auf den letzten Metern zum kühlen erfrischenden Nass der Wasserfälle ab.

Auch unter Wasser haben die Grenadinen einiges zu bieten und so buchte ich bei einer benachbarten Tauchschule „ScubaTech“ einige Tauchgänge und absolvierte gleich meinen PADI Adanced Open Water Diver. Überrascht war ich dann einen Tauchlehrer mit Namen Jochen vorzufinden, welcher aus dem heimischen Worms kommt. So klein ist die Welt und so groß waren die Welten die ich unter Wasser erleben durfte: Eine unglaublich bunte und intakte Flora und Fauna (auch wenn der Hurrikan seine Spuren an den Korallen hinterlassen hatte), Meerestiere jeder Größenordnung, riesige Wracks und zu guter Letzt Wahlgesänge!! Einige Jahre, zahlreiche Länder und viele Tauchgänge später bleiben diese Eindrücke unvergessen.

Anstrengender Regenwaldwanderungen noch nicht überdrüssig, folgten wir einem Geheimtipp des Hotelier Bruno Delvallee, welcher die wunderschön gelegene „Cabier Ocean Lodge“ von Michael Böhm (Sohn des österreichischen Schauspielers Maxi Böhm) gemeinsam mit seiner Frau Iris betreibt. Eine privat geführte Dschungeltour mit dem Rastaman Joseph stand als einer der letzten Programmpunkte auf dem Plan. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis! Joseph lebt bereits seit Jahren abseits jeglicher Zivilisation in einer Holzhütte mitten im Regenwald und ernährt sich nur von dem was in der Natur wild wächst oder was er dort selbst anbaut. Stolz führte er uns durch sein Reich und ließ uns immer wieder köstliche Früchte probieren, vom Baum oder Strauch direkt in den Mund. Wir waren sehr beeindruckt und konnten auch eine Menge neuer Dinge lernen. An Joseph’s Zuckerrohrfeldern angekommen, stellte er plötzlich fest, dass er von Wilderern überfallen wurde. Diese hatten eines seiner Felder komplett verwüstet. Als plötzlich in der Ferne ein Schuss ertönte, rannte Joseph los und versuchte die Wilderer einzuholen und zu stellen. Wie das sprichwörtliche Männlein standen wir wie versteinert im Wald und waren mehr als froh, als Joseph außer Atem, aber gesund zurückkam, um uns wieder sicher nach Hause zu bringen. Die Übeltäter waren ihm zwar entwischt, dafür hatte er uns aber einen weiteren unvergesslichen und actionreichen Tag auf Grenada und einen unvergesslichen Abschluss beschert.

Danke Joseph! Danke Grenada! Danke Carriacou! Danke dafür, dass ihr euren karibischen Traum mit uns geteilt habt! Wir kommen gerne wieder. Sehr gerne!!!

Reisejahr: Frühling 2010

Aktueller Punktestand:

200
?
Score wird einmal täglich aktualisiert. Nächste Aktualisierung in ca. 14h

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