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Wie mir ein chinesischer Mann in Taiwan die Augen öffnete

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Schon seit Kindesalter schlagen zwei Herzen in meiner Brust, da ich mein Leben lang mit zwei Kulturen aufgewachsen bin. Mein Vater ist nämlich gebürtiger Deutscher, meine Mutter jedoch stammt aus Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan.

Im Jahr 2010 luden meine Eltern mich zu einer 14-tägigen Reise nach Taipeh ein. Ich war sehr aufgeregt, denn ich konnte mich kaum noch an die letzten Reisen dorthin erinnern, da ich zu dem Zeitpunkt noch ein Kind war. Auch an meine dort lebenden Verwandten konnte ich nicht wirklich erinnern. Ich freute mich riesig!

In Taipeh angekommen, merkte ich schnell, dass diese kleine Insel sehr viele Einwohner hat. Vor allem auf den Straßen machte es sich bemerkbar: Gefühlte 100 Roller pro Sekunde fuhren an einem vorbei.

Beim Schlendern durch die Straßen, fiel einem sofort auf, dass ein Lokal aufs nächste folgt. Egal wo man hin sah: Überall konnte man sich etwas zu essen kaufen – und das meist wirklich zu spottgünstigen Preisen! Sei es in einem kleinen Lokal, Restaurant oder an den zahlreichen kleinen Imbisswagen, die vor den anderen Lokalitäten standen – mein persönliches Fress-Paradies!

Doch das, was mich am allermeisten beeindruckte und zugleich erstaunte, war die Architektur, die sich teilweise sowohl kulturell als auch von der Beschaffenheit, von Straße zu Straße bzw. Ortsteil zu Ortsteil änderte. So lief man in der einen Minute durch eine sehr moderne Straße, vorbei an einem typisch asiatisch aussehendem Tempel oder einem wunderschönen Park, und im nächsten Moment fand man sich in einer sehr heruntergekommene Straße wieder, die mit ihren herunterhängenden Stromleitungen und abgewrackten Häuserwände, eher an eine Szene aus einem Film á la „I AM LEGEND“ erinnerte. Wenn dann einem der ein oder andere Taiwaner mit Atemschutzmaske (zum Schutz gegen den starken Smog) entgegen kam, war das Endzeitszenario perfekt, nur eben ohne Weltuntergang. Zum Glück!

Während des Urlaubs stellte ich schnell fest, dass alle Menschen denen ich begegnete, sehr freundlich, zuvorkommend und höflich waren. Die meiste Zeit schaute ich in strahlende Gesichter. Nicht wie hier in unseren Regionen, wo fast jeder ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter zieht und mit allem unzufrieden ist.

An einem Tag bummelten wir so durch die Straßen, bis wir an einer Kreuzung stehen blieben. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, befanden sich recht moderne Häuser und alles sah gepflegt aus. Inmitten dieser Häuser befand sich jedoch eine kleine und zerfallene Hütte, die anscheinend noch bewohnt war. Ein paar Wellbleche waren sporadisch an ein paar Holzbalken befestigt worden und dienten als Vordach. Unter diesem Dach saß ein kleiner, leicht rundlicher und Mann auf einem wackeligen Holzstuhl. Bekleidet mit einem verschmutztem Feinripp-Unterhemd, einer kurzen Hose und Schlappen, saß er da und löffelte mit seinen Stäbchen sein Essen aus einer Schale. Er strahlte pure Zufriedenheit aus, als er so vor sich hin lächelte und weiter aus seiner Schale schlürfte. Er schien nicht viel zu haben – aber er hatte ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen. Er war glücklich.

Dieser Mann öffnete mir die Augen. Wir, die wir im Überfluss leben, beklagen uns jeden Tag aufs Neue über irgendwelche nichtigen Dinge. Wir sind oft nicht mit dem Zufrieden was wir haben.

Seit diesem Tag sehe ich viele Dinge anders. Lockerer. Ich bin gelassener und erfreue mich an den Dingen, die ich habe. Denn es sind meist die einfachen Dinge, die einen glücklich und zufrieden machen.

Reisejahr: Frühling 2010

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