Zwischen der rauen Küste, hohen Gebirgspässen und dem mysteriösen Regenwald

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Auf meiner Reise quer durch Peru und Bolivien hatte ich das Ziel, die Vielfältigkeit dieser faszinierenden Länder zu entdecken. Ein Jahr lang hatte ich zuvor in einer kleinen Gemeinde 150 km nördlich von Lima, der Hauptstadt Perus gelebt. Nun blieb mir ein Monat Zeit, um beide Länder mit all ihren Facetten genauer kennen zu lernen.

Über Peru muss man zuerst einmal wissen, dass es in diesem auf der südlichen Halbkugel gelegene Land Südamerikas nicht nur die heiße und trockene Küstengegend -la Costa- gibt, sondern auch noch die hohe Gebirgsregion der Anden -la Sierra- und die Regenwaldregion -la Selva-.

Meine Reise startete in Paracas, einer kleinen Stadt am Pazifik, in der man unter anderem Pinguine und Seelöwen in freier Wildbahn beobachten kann. Neben einem Ausflug zu den Ballestas Insel habe ich hier auch eine der trockensten Regionen der Welt, den Nationalpark von Paracas bewundern können. Hier treffen die raue Küste und die staubige Wüste aufeinander, wie sonst nur an wenigen Orten auf dieser Welt. Danach ging es weiter nach Ica, der Stadt in der das Nationalgetränk Perus der sogenannte Pisco hergestellt wird. Hier habe ich eine faszinierende Oase mitten in den hohen Sanddünen der Atacama Wüste besucht. Die Oase Huacachina bietet nicht nur einen grandiosen Ausblick, man kann hier auch spektakuläre Buggytrips in die Wüste unternehmen. Diese werden dann anschließend mit einer Sandboardingtour abgerundet, was das Ganze für mich wohl zu einem der Höhepunkte der Reise machte.

Nach Ica folgte ein Tag in Nazca, der Stadt die durch ihre mysteriösen Scharrbilder mitten in der Wüste bekannt wurde. Gigantische Figuren die Tiere, Pflanzen oder einfach nur mathematische Formeln darstellen. Forscher stehen bis heute vor der Frage, von wem und vor allem zu welchen Zweck sie gezeichnet wurden. Zu betrachten sind sie nur aus schwindelerregender Höhe, aus einem sehr schaukligen Flugzeug. In Nazca habe ich das erste Mal Kontakt mit der langen und faszinierenden Geschichte Perus gemacht, die von vielen verschiedenen Hochkulturen dominiert wurde.

Anschließend ging es für mich weiter nach Arequipa, die sogenannte weiße Stadt. Diese trägt ihren Namen nicht auf Grund ihrer unzähligen aus weißem Marmor geschlagenen Gebäude, sondern weil die Ariquepenos sehr viel hellere Haut als die normalen Peruanos haben. Dies liegt vor allem an ihrer spanischen Abstammung.

Von Arequipa aus ging es mit einem Kleinbus direkt in den Colca Canyon. Hier erlebte ich Peru das erste Mal so, wie man es aus dem Fernsehen und von Bildern kennt. Freilebende Alpakaherden, Frauen in den traditionellen, bunten Gewändern der Selva und Coca-Tee in rauen Mengen. Anders als erwartet, ist Coca keine Droge – man nutzt die Blätter zwar auch zur Kokain-Herstellung, aber dann in sehr großen Mengen. Als Tee hilft es beispielsweise der Höhenkrankheit entgegenzuwirken.

Hier im Colca Canyon kann man den tiefsten Canyon der Welt (ja das ist nicht der Grand Canyon) bewundern und dabei Kondore aus nächster Nähe, in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Ein unglaublich faszinierendes Spektakel.

Anschließend ging es für mich nach Puno und von dort weiter über die bolivianische Grenze, da ich Mitte Januar ein Seminar in Cochabamba in Bolivien hatte. Danach hab ich erstmal so gut wie 24 Stunden im Bus verbracht, um den Salzsee von Uyuni im Norden Boliviens zu erreichen. Die spektakuläre Salzwüste hat jedoch die anstrengende Anreise wieder wettgemacht. Sie war der schönste Ort meiner Reise. Man kann hier den höchstgelegenen Salzsee der Welt mit kleinen Geländewagen befahren und kommt sich dabei vor, als wurde man direkt im Himmel stehen (auf einer Höhe von fast 5000 m ist das ja auch eigentlich der Fall).

Danach hieß es schon wieder Abschied von Bolivien nehmen und zurück nach Peru. Allgemein hatte ich in Bolivien den Eindruck, dass dieses Land was Dinge wie Armut, Diskriminierung, Schulbildung und Kinderarbeit angeht Peru hinterherhinkt.

Zurück in Peru habe ich erstmal einen Stopp in Puno eingelegt, um hier die vom UNESCO-Weltkulturerbe geschützten schwimmenden Inseln zu besuchen. Das Leben auf diesen Inseln ist seit Jahrhunderten sehr einfach und die Menschen haben ihre ganz eigenen Traditionen. Es ist leider nur etwas traurig zu sehen, dass ein Großteil dieser einzigartigen Kultur durch den Massentourismus langsam zerstört wird. Neben den schwimmenden Inseln habe ich auch noch Taquile die Insel der strickenden Männer besucht. Hier hat man noch einmal die alten Traditionen des Landes aufgezeigt bekommen.

Von Puno ging es dann weiter ins Herz Perus, nach Cusco. Cusco wird zurecht von vielen Peruanern als die schönste Stadt Perus bezeichnet. Die verwinkelten Gassen, die Reste der alten Inkakulturen und den beeindruckenden Kathedralen gestalten sie vielfältig und aufregend. Leider sieht man auch hier, wie stark der Tourismus das Leben der Menschen beeinflusst. Ein Restaurant reiht sich ans nächste und an jeder Straßenecke wartet ein neuer Straßenverkäufer, um seine Souvenirs loszuwerden. Diese Abhängigkeit von den Touristen ist deshalb problematisch, da es vor allem in den Monaten von Januar bis April wetterbedingt zu großen Ausfällen im Tourismus kommen kann und einige Bewohner dann am Existenzminimum leben müssen. Ich habe die Zeit in Cusco vor allem deshalb genossen, weil ich Einsicht in die Geschichte der Inka-Kultur und der Eroberung Anfang des 15 Jahrhunderts bekommen habe.

Den Höhepunkt der faszinierenden Geschichte Perus konnte ich mit dem Besuch von Machu Picchu, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen des Landes bewundern. Wenn man nach einer Fahrt mit dem Andenexpress in die Anfänge des Regenwaldes eintaucht und sich dann auf dem Gipfel Machu Picchu vor einem erhebt, kann man nur noch staunen. Staunen über die wunderschöne Natur und das von Menschenhand geschaffene Bauwerk, das all den Jahrhunderten getrotzt hat. Ein Höhepunkt war Cusco für mich auch kulinarisch gesehen. Hier habe ich mich das erste Mal an das peruanische Nationalgericht „Cuy“ herangetraut. Zu Deutsch ist das Meerschweinchen. Eine sehr seltsame, aber doch besser schmeckende Delikatesse als erwartet.

Meine letzten Urlaubstage habe ich dann im Regenwald von Peru verbracht, in dem ich die riesige Tier- und Pflanzenvielfalt kennenlernte. Es war sehr interessant zu erfahren, welche Möglichkeiten dieser Urwald dem Land hier in den kommenden Jahren bieten kann. Viele der dort wachsenden Pflanzen bilden nämlich die Grundlagen für westliche Medikamente und Pflegeprodukte. Ein Ziel ist es, dieses noch sehr unerforschte Gebiet zu erweitern und so einen sicheren Platz auf dem Weltmarkt zu ergattern. Leider hatte ich während diesen Tagen ein bisschen Pech und der Regenwald machte seinem Namen alle Ehre. Es regnete ohne Unterbrechung, wodurch leider einige Touren nicht oder nur bedingt möglich waren. Trotz dieses kleinen Mankos am Ende der Reise, war dies mein absolut bester Urlaubstrip aller Zeiten.

Peru wie auch Bolivien sind faszinierende Länder, die eine Reise absolut wert sind.

Reisejahr: Winter 2014

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